Was ist Crowdsourcing?

Crowdsourcing bezeichnet die Auslagerung (Outsourcing) von Aufgaben, die traditionell innerhalb einer Organisation erledigt wurden, an eine Gruppe interessierter Menschen (Crowd – englisch für Menschenmenge) auf freiwilliger Basis. Crowdsourcing ermöglicht völlig neue Wege des Wissenstransfers zwischen Institutionen und der Öffentlichkeit.

An Bibliotheken spielt Crowdsourcing schon seit mehreren Jahren eine bedeutende Rolle (z.B. Library of Congress, New York Public Library, Österreichische Nationalbibliothek) und hat innovative Ideen und Formate der Zusammenarbeit hervorgebracht.

Für das Wien Museum ist dieses Format ganz neu. Wir arbeiten bereits viele Jahre mit interessierten Besucher*innen zusammen, um unsere Bestände mit ihrem Wissen anzureichern (z. B. im Rahmen der moderierten Gesprächskreise). Der Start unserer Online Sammlung 2020 hat ein starkes Interesse ausgelöst, auch online mit uns in Austausch über unsere Objekte zu treten, und diese Crowdsourcing-Aktion war für uns der nächste logische Schritt. Alle Beiträge des Wissenstransfers mit Menschen außerhalb der Organisation – ob digital oder im Rahmen von analogen Kontakten – sind für das Museum sehr wertvoll.

An wen richtet sich diese Crowdsourcing-Aktion?

Die Initiative richtet sich an all jene, die aktiv an der Erschließung des historischen Bestands mitarbeiten möchten. Vorwissen wird beim Lesen der teils historischen Schrift benötigt sowie beim Übersetzen der Mitteilungen aus anderen Sprachen neben Deutsch (Tschechisch, Englisch, Französisch, Ungarisch, Slowakisch, Kroatisch, Slowenisch und Niederländisch – das trifft auf circa 20 Prozent des Bestandes zu). Die Website ist darüber hinaus auch für Personen gedacht, die die Bestände einfach ansehen und durchsuchen möchten.

Welche Ansichtskarten werden hier bearbeitet?

Vor kurzem wurden die rund 11.000 losen topographischen Ansichtskarten des Wien Museums (abgesehen von jenen in Sonderbeständen und Sammelalben) beidseitig digitalisiert und ein Teil davon bereits online zur Recherche zur Verfügung gestellt.

Ca. 2.000 dieser Ansichtskarten sind mit privaten Mitteilungen und Grußbotschaften beschrieben. 260 von ihnen sind nicht auf Deutsch verfasst (Tschechisch, Englisch, Französisch, Ungarisch, Slowakisch, Polnisch, Kroatisch, Slowenisch, Bulgarisch und Niederländisch).

Diese rund 2.000 Karten stehen hier zur Transkription und Übersetzung durch freiwillige Unterstützer*innen zur Verfügung. Persönliche Informationen zu den Absender*innen und Empfänger*innen (Vor- und Nachnamen) auf den Ansichtskarten wurden, soweit sie vorab erkannt wurden, verpixelt und damit unkenntlich gemacht. Geschlecht, Titel/Anrede und Adresse bleiben sichtbar, da sie helfen können, die Mitteilungen besser zu verstehen und kontextualisieren zu können.

Warum sehe ich bei manchen Karten nur eine Seite?

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir nicht bei allen Karten die Bildseite zeigen. Diese Karten haben deshalb nicht die Funktion „wenden“.

Was macht den Bestand für das Wien Museum interessant?

Durch die Digitalisierung und Online-Stellung der Ansichtskarten wird eine spezifische Eigenschaft des Mediums illustrierte Postkarte besser sichtbar und erschließbar: Sie ist ein öffentliches und privates Dokument zugleich. In ihr verbinden sich, sofern sie beschriftet und verschickt wurde, die vorgegebenen Bild-Text-Inhalte der Hersteller mit persönlichen Mitteilungen der Absender*innen. Diese zweite Ebene (oder „Rückseite“) der Postkarte wurde in der einschlägigen Forschung lange Zeit kaum oder meist nur im Fall von berühmten Persönlichkeiten näher beachtet. Nun sollen die Ansichtskarten als Objekte mit allen ihren erzählenden Eigenschaften erschlossen werden – ohne Reduktion auf das abgebildete Motiv oder Druckverfahren. Das bedeutet, dass zusätzlich zur Bildseite auch die Adress- und Mitteilungsseite, der Textinhalt, der Postweg und die Nutzungsweise erfasst wird.

Die Mitteilungen bestehen oft aus einfachen touristischen Formeln wie „Herzliche Grüße aus Wien“. Häufig enthalten sie aber auch kulturhistorisch wertvolle Angaben darüber, aus welchem Anlass man die Ansichtskarten verschickte, welche Stadtansichten oder Orte man attraktiv fand oder schlicht, wie man miteinander im Alltag kommunizierte.

Das Ziel dieser Crowdsourcing-Initiative ist es, diesen ausgewählten Bestand des Wien Museums, der bislang (nicht zuletzt aufgrund der oft schwer lesbaren individuellen Handschriften und der heute nicht mehr verwendeten Kurrent-Schrift) nur teilweise erschlossen ist, durch interessierte Teilnehmer*innen bearbeiten zu lassen, um ihn danach besser beforschen zu können.

Was passiert mit den Transkriptionen und Übersetzungen?

Die Beiträge der Teilnehmer*innen, also die transkribierten und übersetzten Mitteilungen, werden nach einem Jahr vom zuständigen Kurator in unsere Museumsdatenbank übernommen, wodurch sie langfristig gesichert werden. Im nächsten Schritt werden sie auch öffentlich in unserer Online Sammlung für Recherchen zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse des Projekts fließen auch in eine Ausstellung des Wien Museums im Jahr 2023 ein.

Prüfen Mitarbeiter*innen des Wien Museums die Beiträge?

Nein. Die Qualitätskontrolle der Transkriptionen ist eine Aufgabe, die einen zentralen Bestandteil jeder Crowdsourcing-Aktion darstellt und von den Teilnehmer*innen übernommen wird. Dies entspricht dem Verständnis von Crowdsourcing, bei dem Teilnehmer*innen Verantwortung für sich und andere übernehmen und so wesentlich zum Gelingen einer Aktion beitragen. Werden allerdings problematische Inhalte gemeldet, reagiert das Projektteam umgehend.

Welche Rechtschreibung soll zur Anwendung kommen?

Die Ansichtskartenmitteilungen sollen generell in der Originalrechtschreibung und Originalschreibweise transkribiert werden. Unleserliche Worte werden als „[…]“ übertragen. Wörter, deren Orthographie von der heutigen stark abweicht oder die im heutigen Sprachgebrauch nicht mehr geläufig sind, können in eckigen Klammern erklärt werden, z.B.: „Portechaise [Tragsessel, Anm.]". Ähnliches gilt im Falle von Orts- oder Straßennamen, sofern mit Sicherheit bekannt, z.B. „Brigittabrücke [Friedensbrücke, Anm.]". Hingegen sollen Rechtschreibfehler und Abkürzungen (wie z.B. „Mit frdl. Gruße Ihr erg. E.") nicht ergänzt bzw. korrigiert werden, da sie auch über soziale Herkunft und Bildungsgrad der Absender*innen oder medienspezifische Kommunikationspraktiken etwas aussagen. Falls wir versehentlich einen Nachnamen übersehen und deshalb nicht verpixelt haben, transkribieren Sie diesen bitte nicht.

Was mache ich, wenn ich einen Fehler in einem Beitrag gefunden habe?

Sie können von jeder zuletzt erstellten Transkription/Übersetzung eine neue Version erstellen. Dabei wird die bestehende Version in die Eingabefelder kopiert und Sie haben die Möglichkeit, Ihre Korrekturen zu machen (oder den Text zu ergänzen) und die überarbeitete Version dann neu abzuschicken.

Was brauche ich um ein Teilnehmer*innen-Konto anzulegen?

Sie brauchen eine E-Mail-Adresse, an die wir Ihnen einen Aktivierungslink schicken. Gleichzeitig wählen Sie Ihren öffentlich sichtbaren Benutzernamen und Ihr Passwort.

Wie kann ich mein Konto löschen?

Wenn Sie Ihr Teilnehmer*innen-Konto löschen wollen, kontaktieren Sie uns bitte unter: crowdsourcing@wienmuseum.at. Ihre Beiträge bleiben erhalten.

Wie kann ich bei Fragen Kontakt aufnehmen?
Bei Fragen zur Crowdsourcing-Aktion des Wien Museums kontaktieren Sie uns bitte unter: crowdsourcing@wienmuseum.at oder telefonisch: T: +43 (0)1 505 87 47 84013